NISCI: Nogo-A-Antikörperhemmung bei Querschnittgelähmten

Das Zentrum für Paraplegie ist führend beteiligt an einer massgebenden Forschungsstudie für eine neue Therapie, die das Zusammenwachsen von Nervenfasern bei Patienten nach einer akuten zervikalen Rückenmarksverletzung verbessern soll.

Prof Dr. med. Armin Curt
Chefarzt und Direktor, Zentrum für Paraplegie

Andrea Prusse
Study Nurse, Zentrum für Paraplegie

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Einmal durchtrennte Nerven im Rückenmark wachsen oft nicht mehr zusammen. Ein Grund dafür sind die sogenannten Nogo-A-Proteine. Diese hemmen das Wachstum von Nerven. Im Normalfall ist dies wünschenswert, da es sonst im Nervensystem zu einem unkontrollierten Wachstum und vermeintlichen Fehlverbindungen kommen würde. Im Falle einer Verletzung der Nervenfasern verhindert Nogo-A aber auch, dass diese wieder zusammenwachsen. Somit wird die Verbindung der Nervenzellen dauerhaft unterbrochen, was zu Lähmungen und Gefühlsstörungen führen kann. Mit einem neuen Therapieansatz sollen diese hemmenden Proteine nach einer Rückenmarksverletzung kontrolliert neutralisiert werden, sodass die Nervenfasern im Falle einer Verletzung in ihrem Wachstum nicht gehemmt werden.

Antikörper als mögliche Therapie
Um das Nogo-A in seiner Funktion zu blockieren, werden die Antikörper bei dieser Studie den Patienten direkt ins Rückenmark gespritzt. Somit wird das Wachstum der Nervenfasern wieder ermöglicht. Dabei ist es wichtig, dass die Anwendung der Antikörper innerhalb der ersten Wochen nach der Rückenmarksverletzung erfolgt, da die Nervenfasern in diesem Zeitfenster noch die Möglichkeit zur Erholung besitzen.

Bisherige Studien sind vielversprechend
Seit den 80er-Jahren wird intensiv an wachstumshemmenden Substanzen im Rückenmark geforscht. Mit der Antikörper-Therapie konnten im Tiermodell bereits grosse Fortschritte in der Rehabilitation erzielt werden. In einem nächsten Schritt wurde eine Studie am Menschen durchgeführt, um die Sicherheit und Verträglichkeit der Therapie zu prüfen. Auch diese Studie verlief erfolgreich.

Neue internationale, multizentrische Studie
Unter der Leitung des Zentrums für Paraplegie Balgrist hat nun eine neue Studie namens NISCI (Nogo-Inhibitors in Spinal Cord Injury) begonnen, mit der die Wirksamkeit der Antikörper-Therapie untersucht werden soll. An der internationalen Studie sind mehrere europäische Zentren beteiligt, die auf die Behandlung und Rehabilitation von rückenmarksverletzten Patienten spezialisiert sind. Es werden Verbesserungen im Bereich der Bewegung und Sensibilität der Extremitäten erwartet, die den Querschnittgelähmten den Alltag erleichtern können. Ob allerdings eine komplette Heilung erreicht werden kann, ist Gegenstand der aktuellen Forschung.