KFSP Schmerz – von Phänotypen zu Mechanismen

Neuer klinischer Forschungsschwerpunkt der universitären Medizin Zürich zum Thema „Schmerz“ unter der Leitung von Prof. Dr. Armin Curt.

Prof. Dr. med. Armin Curt
Chefarzt und Direktor, Zentrum für Paraplegie

Dr. Michèle Hubli

Stv. Leiterin Forschung Paraplegie

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Mit den Klinischen Forschungsschwerpunkten (KFSP) fördert die Medizinische Fakultät strategisch wichtige Forschungsgebiete für die Medizinische Fakultät und die universitäre Medizin Zürich. Der Wissensaustausch zwischen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung und klinischer Versorgung soll zur Förderung und Vernetzung von ausgewählten, primär klinischen Forschungsbereichen der universitären Medizin sowie zur Förderung des akademischen Nachwuchses dienen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Armin Curt wird der KFSP „Schmerz“ von 2019 bis 2021 gefördert.

Schmerz – eine komplexe Angelegenheit
Chronische Schmerzen sind ein weitgehend ungelöstes medizinisches Problem mit einer geschätzten Prävalenz von etwa 19% in der Gesellschaft. Mit zunehmender Inzidenz und hoher Prävalenz chronischer Schmerzen werden koordinierte interdisziplinäre Bemühungen bei der diagnostischen Aufarbeitung (d.h. einheitliche Beurteilung von Schmerztypen, Differenzierung verschiedener Mechanismen) und gezielte Behandlungsstrategien wesentlich sein, um das Verständnis und die Behandlung chronischer Schmerzen zu verbessern. Die komplexe Natur des Schmerzes ergibt sich aus der Wechselwirkung mehrerer neuronaler Systeme entlang der gesamten Neuroachse, d.h. peripherer Nerven, Rückenmark, Hirnstamm und Gehirn, die durch komplexe kognitive und affektive Prozesse beeinflusst werden. Diese Komplexität des Schmerzes wird mit einem multidisziplinären Unterfangen in diesem KFSP gewürdigt.

Sensibilisierung entlang der Neuroachse
Unabhängig von den vielfältigen klinischen Erscheinungsformen chronischer Schmerzzustände stellt die Sensibilisierung entlang der nozizeptiven Neuroachse einen allgemeinen pathophysiologischen Mechanismus dar. Durch das gezielte Studieren von solchen peripheren und zentralen Sensibilisierungsprozessen wird in diesem KFSP ein gemeinsamer Rahmen für mechanistisch orientierte Schmerztherapien für diverse Schmerzproblematiken wie neuropathischen Schmerzen nach traumatischer Rückenmarksverletzung oder degenerativer zervikaler Myelopathie, komplexes regionales Schmerzsyndrom sowie Rückenschmerzen geschaffen. Experten aus verschiedenen Bereichen werden zusammenarbeiten, um pathophysiologische Unterschiede und Gemeinsamkeiten in diesen verschiedenen Diagnosekategorien zu ermitteln.

Präzisionsmedizin als gemeinsame Vision
Das Ziel dieses KFSPs ist es, von den derzeitigen empirischen Therapieansätzen (oft mit vielen Versuchen und unbefriedigenden Ergebnissen) zu einem individualisierten Targeting von spezifischen pathophysiologischen Mechanismen bei Patienten mit chronischen Schmerzen überzugehen. Der Informationsaustausch zwischen klinischen Disziplinen wie Rheumatologie, Neurologie, Chiropraktik, Orthopädie und Grundlagenforschung in Neurobiologie und Neuromodellierung wird zur erfolgreichen Generierung von neuem Wissen über Schmerzmechanismen dienen. Dies wird eine solide wissenschaftliche Basis für eine verbesserte Patientenbehandlung und fundierte klinische Studien bieten.