Signifikant weniger Schmerzen

Eine Sprunggelenksdistorsion kann zu Bandläsionen und Schäden des Gelenkknorpels am oberen Sprunggelenk führen.

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Als die häufigste Sportverletzung gilt die Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG). Durchschnittlich erleidet ein Patient pro 10 000 Einwohner in der Schweiz pro Tag eine OSG-Distorsion. Anders ausgedrückt sind das circa 625 Verletzungen pro Tag in der Schweiz. In 18 Prozent der Fälle ist die Verletzung sportbedingt, während insbesondere junge Personen (<35 Jahre) betroffen sind. Im Rahmen dieser Verletzung erleiden 6,5% der Patientinnen und Patienten eine Schädigung des Gelenksknorpels des OSGs, eine sogenannte osteochondrale Läsion. Häufig betroffen ist in diesen Fällen die Talusrolle, in der Mehrzahl die mediale Talusrolle.

Ein Knorpelschaden am oberen Sprunggelenk äussert sich durch unspezifische Symptome wie tiefer Schmerz im oberen Sprunggelenk und Schwellung des Gelenks. Ist eine osteochondrale Läsion symptomatisch, stehen mehrere Therapieoptionen zur Verfügung. Diese unterscheiden sich je nach Grösse des Schadens. Für kleine Läsionen (unter 5 mm Durchmesser) ist ein rein arthroskopisches Vorgehen mit Resektion des schadhaften Gelenkknorpels und Anbohrung des Knochens angezeigt, um Stammzellen aus dem Knochenmark an die Defektzone zu bringen. Diese Stammzellen besitzen die Potenz, einen Ersatzknorpel zu bilden. Für osteochondrale Läsionen, die grösser als 5 mm im Durchmesser sind, hat sich die Methode der Autologen Matrix-Induzierten Chondrogene (AMIC) etabliert. Diese Methode ist noch jung und steht in Konkurrenz zu anderen ebenfalls noch jungen Methoden wie Knorpeltransplantation vom Kniegelenk (OATS) oder Knorpelvermehrung unter Laborbedingungen nach vorheriger Entnahme (MACI).
 

Anbohrung des Knochenmarks setzt Stammzellen frei

Die AMIC Methode beruht auf der Annahme, dass durch Anbohrung des Knochenmarks pluripotente Stammzellen freigesetzt werden. Um diese Stammzellen am Ort der Schädigung zu halten wird eine Matrix (Chondro Guide®, Geistlich, Wohlhusen, Schweiz) eingebracht. Diese wird nach vorgängiger sorgfältiger Entfernung des schadhaften Knorpels/subchondralen Knochens sowie Anbohrung und Auffüllung des ossären Defekts mit Spongiosa genauestens an den zu deckenden Defekt angepasst (zugeschnitten) und mit Fibrinkleber fixiert. Diese Matrix besteht aus Eiweiss und hat zwei Oberflächen, eine rauhe und eine feine. Die Stammzellen können die raue Oberfläche durchdringen und werden durch spezielle Beschichtung an der feinen Oberfläche gebunden, so dass sie am Ort der Schädigung bleiben.
 

Ergebnisse aus der Langzeitstudie

In einer Langzeitstudie konnte die Wirksamkeit einer im Balgrist angewandten Methode zur Behandlung des Gelenkknorpels am oberen Sprunggelenk gezeigt werden. Bei dieser Studie handelt es sich um eine der grössten zu diesem Thema mit Langzeitergebnissen (bis zu acht Jahre nach Operation). Es konnte gezeigt werden, dass die untersuchte Methode zu signifikanter Schmerzreduktion, zu Wiedererlangung der Funktion des oberen Sprunggelenks und zu einer erfolgreichen Rückkehr zur sportlichen Aktivität führt.

Diese Art der Knorpel regenerierenden Methode am Sprunggelenk stellt demnach gerade für junge, aktive Patienten eine sehr gute und erfolgsversprechende Operation dar und wird mittlerweile auch bei älteren Patienten mit umschriebenen Knorpeldefekten erfolgreich angewandt.

Die Arbeit unter der Leitung des Teams für Fuss- und Sprunggelenkschirurgie konnte mit den Ergebnissen im hoch angesehenen American Journal of Sports Medicine (AJSM) publiziert werden.

Zur Studie